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150 Jahre preußischer Justizgeschichte zum Recherchieren und Stöbern

Ob Judenemanzipation, BGB oder Spartakusaufstand – die Akten des Preußischen Justizministeriums spiegeln 150 Jahre deutscher Geschichte. Die rund 40.000 Aktentitel sind jetzt online einsehbar.

Das Preußische Justizministerium war die zentrale Behörde für das gesamte preußische Justizwesen. Hier wurden die „preußischen Reformen“ wie Judenemanzipation und Bauernbefreiung vorbereitet; hier wurden die großen Gesetzgebungsvorhaben des Deutschen Reiches – Handelsgesetzbuch, Strafgesetzbuch, Bürgerliches Gesetzbuch – mit konzipiert und beraten; hier wurden politische Strafverfahren gegen polnische Aufständische, Attentäter oder politische Extremisten der Weimarer Zeit angestoßen, beobachtet und begleitet. Und schließlich wurden nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten von hier aus die Maßnahmen zur “Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in der preußischen Justiz durchgesetzt.
Natürlich war das Ministerium auch zuständig für die ganz normalen Aufgaben der Justizverwaltung: Aufteilung der Gerichtsbezirke, Besetzung und Finanzierung der Gerichte, Bau der Gerichtsgebäude und Verwaltung der Strafanstalten. In einzelnen Bereichen fungierte es zudem als oberste Beschwerdeinstanz oder Beschlussbehörde, so etwa bei Namensänderungen und Legitimationen.

Infolge des Zweiten Weltkriegs war der Bestand nach 1945 zweigeteilt: Ein Teil lag im Zentralarchiv der DDR in Merseburg, ein anderer im Bundesarchiv der BRD in Koblenz, später dann im Geheimen Staatsarchiv PK. Erst die Wiedervereinigung ermöglichte 1994 eine Zusammenführung der beiden Teilbestände in Berlin-Dahlem.

Die rund 40.000 Aktentitel des Bestandes stehen jetzt, überarbeitet und einheitlich geordnet, als Internet-Findbuch zur Verfügung. Ob „Bigamie des separatistischen Viehwärters Hermann Hecht aus Fischeln bei Krefeld, 1929“, ob „Rechenmaschinen und andere Büromaschinen, 1899“, ob „Rückwirkung des Dogmas der Infallibilität auf das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, 1869“, ob „Selbstmorde im Oberlandesgerichtsbezirk Glogau, 1808“ – weltweit können Forscher und interessierte Laien nun in 150 Jahren preußischer Geschichte im Spiegel der preußischen Justizverwaltung online recherchieren und stöbern.

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