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Nachlässe

Allgemeines

Zu den Beständen des Geheimen Staatsarchivs PK gehören auch ca. 650 Nachlässe und Familienarchive, die überwiegend in einer eigenen - der VI. - Hauptabteilung (vormals I. Hauptabteilung, Repositur 92) zusammengefasst sind, sowie jeweils eine eigene Gruppe in den Archivabteilungen Brandenburg-Preußisches Hausarchiv (Repositur 192) und XX. Hauptabteilung Historisches Staatsarchiv Königsberg bilden.

Dabei versteht man unter einem archivischen Nachlass die schriftliche Hinterlassenschaft einer Einzelperson, die Überlieferung mehrerer verwandtschaftlich miteinander verbundener Personen wird als Familienarchiv bezeichnet.

Wichtig für die Übernahme eines Nachlasses bzw. Familienarchivs im GStA PK ist die Bedeutung des Nachlassers bzw. der Nachlasser oder Familie sowie die historische Aussagekraft der durch den Nachlass überlieferten Dokumente für die brandenburg-preußische Geschichte. In der Hauptsache verwahrt das Archiv Schriftgut höherer brandenburg-preußischer Beamter und Offiziere. Das heißt für die historische Forschung auch, dass diese Quellen als Ergänzung der Behördenbestände des Archivs herangezogen werden bzw. die Behördenbestände Hinweise auf die Tätigkeit dieser Personen geben können, letzteres ist beispielsweise bei Arbeiten zur Prosopographie zu beachten.

Schwerpunkt der Nachlassüberlieferung im Geheimen Staatsarchiv PK sind das 18. und 19. Jahrhundert, erste Überlieferungen gehen auf das 17. Jahrhundert oder noch frühere Zeiten zurück.

Auch heute hinterlegen Familien und Einzelpersonen ihr archivwürdiges Schriftgut im Geheimen Staatsarchiv PK, häufig in Form eines Depositums. Die Depositare bleiben Eigentümer des Archivgutes und behalten sich beispielsweise die Genehmigung der Einsichtnahme in die Quellen vor. Dazu kommen Schenkung und Kauf als weiter übliche Formen des Erwerbs von Nachlässen oder Familienarchiven.

In jedem Fall unterliegen die im Geheimen Staatsarchiv PK aufbewahrten Nachlässe und Familienarchive den Bestimmungen des Bundesarchivgesetzes und dessen datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Zusammensetzung von Nachlässen

Ein Nachlass umfasst vor allem folgende Gruppen von Schriftstücken:

  • Personalia (Urkunden, Zeugnisse u.ä.)
  • Unterlagen aus beruflicher Tätigkeit
  • Ausarbeitungen verschiedenster Art
  • Korrespondenzen



Allerdings sind die Nachlässe im Archiv meist nicht in ihrer Gesamtheit überliefert. Sie entsprechen daher nicht in jedem Fall den Erwartungen der Forscher.

Einige Verluste hat das Geheime Staatsarchiv im Nachlassbereich durch den Zweiten Weltkrieg zu verzeichnen. Das betrifft beispielsweise die Nachlässe des Historikers Leopold von Ranke und des Parlamentariers Moritz Blanckenburg, aber auch das Familienarchiv Stael von Holstein. Die Nachlässe von Militärs, die in der Bestandsübersicht des Geheimen Staatsarchivs von 1934 noch ausgewiesen sind, dann aber an das Heeresarchiv in Potsdam abgegeben werden mussten, wurden beim Brand dieses Archivs ebenfalls vernichtet (vgl. das Schlagwort Militär).

Darüber hinaus geben die beiden folgenden Datenbanken Hinweise auf die aktuellen Verwahrungsorte zahlreicher Nachlässe:

Zentrale Datenbank Nachlässe des Bundesarchivs
Kalliope, Verbundsystem Nachlässe und Autographen der Staatsbibliothek zu Berlin


Literatur:

Mommsen, Wolfgang A. (Bearb.), Die Nachlässe in den deutschen Archiven (Verzeichnis der schriftlichen Nachlässe in deutschen Archiven und Bibliotheken Bd. 1), Boppard am Rhein 1971 (Teil 1) und 1983 (Teil 2).

Denecke, Ludwig und Tilo Brandis, Die Nachlässe in den Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland (Verzeichnis der schriftlichen Nachlässe in deutschen Archiven und Bibliotheken Bd. 2), 2., völlig neu bearb. Aufl. Boppard am Rhein 1981.

Familienarchive und Nachlässe im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Ein Inventar bearbeitet von Ute Dietsch. Berlin: Selbstverlag des Geheimen Staatsarchivs, 2008 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz; Arbeitsberichte, Nr. 8).

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