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Leitbild

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Wie alle Archive wurzelt unser Haus in archivischen Traditionen, die vom sekreten Aufbewahren von Herrschaftswissen zur modernen Auffassung von Archiven als „Häusern der Geschichte“ führten, die ihre Schätze der historisch interessierten Öffentlichkeit in vielfältiger Weise darbieten. Im Kreis der großen deutschen und europäischen Zentralarchive leitet sich die besondere Stellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz von seinem Namen ab:

  • als „Staatsarchiv ohne Staat“ ist es ein überwiegend historisches Archiv,
  • durch das überlieferte Attribut „Geheim“ wird es als zentralarchivische Instanz ausgewiesen,
  • als „Preußischer Kulturbesitz“ ist es in eine Stiftung eingebettet, in der das Archiv als einzigartiges – weil umfassendes – „Gedächtnis Preußens“ einen ebenso unverkennbaren wie unverzichtbaren Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur leistet.

  • Dieses Selbstverständnis begründet die im Folgenden markierten Aufgaben und Zielsetzungen. Sie bestimmen das Leitbild aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GStA PK bei ihrer Arbeit.

    Unsere Benutzerinnen und Benutzer

    Im Mittelpunkt des Dienstleistungsangebots des GStA PK steht die historisch interessierte Öffentlichkeit, die geschichts-wissenschaftlich, heimatkundlich oder privat bzw. kommerziell motivierte Forschung in eigener Archiv-Arbeit betreiben möchte und ihre Archivbenutzung in der Regel in Publikationen umsetzt. Weiterhin leistet das Archiv durch schriftliche Auskunftserteilung und eigene Publikationen, schließlich auch durch eigene Ausstellungen seinen Beitrag zur historischen Informationspflege. Darüber hinaus stellt es den authentischen Dokumentationswert seiner Archivalien und die faszinierende „Aura der Ur- und Erstschriften“ durch befristete Ausleihe für fremde Ausstellungen zur Verfügung (sofern dies restauratorische Aspekte nicht verbieten).

    Alle Findmittel des GStA PK, darunter auch der Katalog der Dienstbibliothek, sollen den Benutzerinnen und Benutzern möglichst in analog oder digital reproduzierter Form im Vorfeld des Archivbesuchs zur Einsichtnahme bereitstehen.

    Als vornehmstes Medium zur digitalen Findmittel-Nutzung ist die Website des GStA PK zu betrachten. Im Mittelpunkt seiner archivischen Web-Präsenz hat der ebenso umfassende wie möglichst eingehende Archivaliennachweis zu stehen, dem benutzungsorientierte differenzierte Recherchewerkzeuge anzufügen sind.

    Darüber hinaus sollen im Rahmen der Website ausgewählte Überlieferungskomplexe zur Einsichtnahme nach der Leitlinie zur Verfügung gestellt werden, nach der die Objekte der archivischen Intensiverschließung gleichzeitig die für eine Online-Aufbereitung geeignetsten Archivalien sind.

    Aus der intensiven Benutzung des GStA PK durch ein überwiegend wissenschaftlich qualifiziertes, bundesweit und international beheimatetes Publikum ergeben sich Anforderungen an seinen Benutzungsservice. Sie laufen ebenso auf möglichst lange Öffnungszeiten seines Forschungssaales wie auf das Bereithalten von historischen Auskunftsangeboten hinaus, die sowohl Brandenburg-Preußen insgesamt als auch alle einzelnen Landesteile betreffen. Zu diesem Service gehören turnusmäßige oder nach besonderer Vereinbarung organisierten Archivführungen.

    Der Bestandserhalt

    Für das GStA PK bilden ein innovatives, naturwissenschaftlich fundiertes und möglichst hohes Niveau konservierender oder restaurierender Maßnahmen zur Bestandserhaltung und möglichst tief greifender Erschließungskomfort zwei Seiten derselben Sache.

    Deren dritte Seite wird im GStA PK durch die Anforderungen der Sicherungs- und Schutzreproduktion gebildet. Sie basiert auf der analogen Langzeitsicherung und wird durch digitale Arbeitsformen fortgeführt, läuft aber nicht auf einen Ersatz der reproduzierten Archivalien hinaus.

    Eine vierte Seite stellt die Zielsetzung dar, den Erhaltungs- und Benutzungskomfort des GStA PK durch die Magazinierung seiner Archivalien auf dem Dahlemer Archivgelände in den archivischen Normalzustand zu bringen - der insbesondere nach der Übernahme des Merseburger Teils seiner Bestände, Nachlässe und Sammlungen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung noch nicht zu erreichen war.

    Ein besonderes (nicht zuletzt auch finanzielles) Problem des GStA PK bildet seine retrospektive Bestandsergänzung durch Archivalien, die insbesondere nach 1945 aus den Auslagerungsorten entwendet wurden.

    Die „preußische“ Archivlandschaft

    Die archivische Zuständigkeit („Sprengelkompetenz“) des GStA PK ist einerseits historisch gewachsen und andererseits aktuell unverzichtbar mit einer dialektischen Auffassung von „Brandenburg-Preußen“ verknüpft. Sie begreift in geschichtlicher Rückschau die Markgrafschaft und das aus dem Deutschordenstaat hervorgegangene Herzogtum, das Kurfürstentum und das Königreich sowie den Freistaat in der Entwicklung seiner Territorien vom Niederrhein bis nach Ostpreußen ebenso als Ganzes wie als Summe der einzelnen Teile.

    In seiner 1947 ausgesetzten, 1990 aber wiederhergestellten Eigenschaft als Zentralarchiv kann das GStA PK an die Tradition der Generaldirektion der Preußischen Staatsarchive anknüpfen. In der Verantwortung für bestimmte Provinzialüberlieferungen hat es ebenso den (archiv-) geschichtlichen Entwicklungen insbesondere nach 1918 und 1945 Rechnung zu tragen, wie in der Verwahrung von Archivgut insbesondere aus den historischen Ostprovinzen dafür zu garantieren, dass in dessen chronologisch-systematischer Anordnung („Tektonierung“) und Erschließung der geschichtlich gewachsene Zusammenhang dieser Überlieferung in Bezug auf die jeweilige Provinz und auf die Zentrale gewahrt und erkennbar bleibt.

    Als Schlüssel für den Zugang zur so komplex begriffenen archivischen Überlieferung Brandenburg-Preußens muss das GStA PK intensive Kenntnisse von dessen Verwaltungsgeschichte ebenso im staatlichen Rahmen wie im Kontext provinzialer Selbstverwaltung pflegen sowie seinen Benutzerinnen und Benutzern anschaulich vermitteln, möglichst auch unter Einschluss von Informationen über die zentralen kirchlichen und privatwirtschaftlichen Überlieferungsbildungen.

    Mit der Wahrnehmung seiner Sprengelkompetenz ist die Bereitschaft des GStA PK zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit interessierten deutschen oder internationalen Archiven oder anderen Einrichtungen selbstverständlich verknüpft.

    Weitere Aufgabenbereiche liegen für das GStA PK in der archivischen Pflege von Nachlässen und Familienarchiven mit engem Bezug zur brandenburg-preußischen Geschichte, sowie von Schriftgut wissenschafts-, gesellschafts- oder kulturpolitisch engagierter Organisationen, die in Anknüpfung an historische Entwicklungen auch neuere Überlieferungsschichten dem GStA PK anvertrauen wollen.

    Archiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

    Das GStA PK ist aufgrund seiner kanzleigeschichtlichen Ursprünge im 13. Jahrhundert die weitaus älteste Kulturinstitution der SPK; mit Blick auf seine Aufnahme in die SPK 1963 gleichzeitig deren jüngste Einrichtung. In der SPK besteht im Unterschied zu Museen, Bibliotheken oder Dokumentationsstellen kein weiteres fachqualifiziertes und spartenübergreifendes Archiv. Das GStA PK muss daher seine besondere, eigenständige Stellung als „Gedächtnis der SPK“ durch die Pflege seiner Fachqualifikation auf hohem Niveau halten.

    Das GStA PK erfüllt zentralarchivische Aufgaben für die SPK auf gesetzlicher Grundlage. Es hat diese Kompetenz progressiv durch das Angebot der archivischen Dienstleistung an die zur Abgabe ihrer Altakten verpflichteten Stiftungseinrichtungen zu erfüllen: Durch Beratung bei der Registraturführung, Zusammenarbeit bei Abgabeaktionen, zügige Erschließung des archivierten Schriftguts, umgehende Bereitstellung von Unterlagen oder Auskünfte für die Provenienzbildner, bei denen sie entstanden sind.

    Das GStA PK kann zu einer kulturwissenschaftlich fundierten Bildung des Stiftungs-Ensembles einen kulturgeschichtlichen Beitrag leisten, der sich ebenso auf die preußischen Wurzeln der Geschichte jeder einzelnen Stiftungseinrichtung wie auf den universalkulturellen Anspruch der SPK bezieht.

    (Brandenburg-) Preußische Geschichte und Historische Hilfswissenschaften

    Die Aneignung und Vermittlung von Kenntnissen in den Historischen Hilfswissenschaften ist im GStA PK umso mehr unverzichtbar, als sie die Grundlage für Erschließung und Auswertung seiner Bestände, Nachlässe und Sammlungen bieten. Die Aktualität dieser Kompetenz ergibt sich nicht nur aus den andernorts hingenommenen Defiziten in der Pflege und Handhabung solcher „Werkzeuge der Historikerinnen und Historiker“, sondern auch aus ihrer pragmatischen Bedeutung für eine archivwissenschaftlich fundierte Bewältigung von digital vorgehaltenem Schriftgut.

    Durch die Vermittlung eines quellenorientierten differenzierten Bildes der Geschichte Brandenburg-Preußens, nicht zuletzt mit Blick auf deren Verflechtung mit der deutschen und europäischen Geschichte, wird vom GStA PK ebenso ein legitimer Anspruch der historisch interessierten Öffentlichkeit bedient wie zur speziellen Legitimation der geschichtlichen Grundlagen der SPK beigetragen. Diese Vermittlung basiert in der Hauptsache auf der IT-gestützten Archivalien-Erschließung in differenzierten Formen, darüber hinaus auf eigenen Auswertungsarbeiten in Form von Publikationen oder Ausstellungen.

    Für das GStA PK ist das Berufsbild „Archivar(in) und Historiker(in)“ in seiner Wechselwirkung umso mehr selbstverständlich, als es seine Zusammenarbeit mit den verschiedenen Historischen Kommissionen und Organisationen für die Erforschung der Geschichte Brandenburg-Preußens garantiert. Über diese Kooperation hält das Archiv einen kontinuierlichen Kontakt zur Forschung, und schärft in diesem stetigen Diskurs seine Kompetenz für die Erledigung der Kernaufgaben.

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