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Zeitungsberichte

Für das Verständnis der politischen, sozialen, wirtschaftlichen, demographischen und geographisch-meteorologischen Situation im Preußen des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellen die regelmäßig erschienenen so genannten „Zeitungsberichte“ (auch: „Verwaltungsberichte“ oder „Immediatzeitungsberichte“) aus den einzelnen Regierungsbezirken eine bedeutende Quelle dar. Ihr Name basiert auf dem „Zeitungs“-Begriff des 16. Jahrhunderts, der „allgemein interessante Neuigkeiten“ beschreibt. Diese Berichte wurden durch die einzelnen Kreise bei den Regierungen eingereicht und über die Oberpräsidenten gesammelt an die zuständigen Ministerien weitergegeben. Sie gingen über einfache statistische Nachrichten hinaus. Es handelt sich dabei vielmehr um die ausführliche Berichterstattung nach einem festgelegten Schema, die bei den zentralstaatlichen Stellen ein besonderes Interesse fand, da sie zugleich Wertungen der gegenwärtigen Situation sowie Stimmungen in der Bevölkerung wiedergaben. Letztere wurden – vor allem in Kriegszeiten – an der Staatsspitze aufmerksam verfolgt.

Die Anfertigung bzw. Einsendung der Zeitungsberichte setzt vor 1800 ein, so dass bereits im Bestand I. HA Rep. 96 Geheimes Zivilkabinett, ältere Periode, für die Jahre 1797 bis 1806 diese Berichte überliefert sind. Das Gros dieser Quellengattung (für die Zeit von 1807 bis 1918) findet sich jedoch im Bestand I. HA Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett, jüngere Periode.

Während die Zeitungsberichte in den Beständen des Innenministeriums, des Ministeriums für Handel und Gewerbe sowie des Staatskanzleramts mit dem Verweis auf die annähernd lückenlose Überlieferung im Bestand des Geheimen Zivilkabinetts kassiert wurden, finden sich in den Beständen zum Kultusministerium (u. a.: II, Aktengruppe „a“ in den Sektionen zu den Regierungsbezirken), Justizministerium (Nr. 5988 ff), Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten (C, 2) sowie Finanzministerium (IC, 5.1.5) als auch Staatsministerium, ältere (Titel 38 spec.) und jüngere (Nr. 3926 ff) Registratur, nach wie vor diese Berichte. Hinsichtlich der Provinz Ostpreußen ist zudem auf die XX. HA Historisches Staatsarchiv Königsberg hinzuweisen. In der Rep. 2 Oberpräsident der Prov. Ostpreußen (Titel 40, Nr. 2) sind fast vollständig die Zeitungsberichte der Regierungen von 1809 bis 1901 überliefert.

Nach 1918 findet die Tradition dieser Berichte keine Fortsetzung, so dass nur noch vereinzelt in den Akten unter verschiedenen Sachbetreffen diese Form der Berichterstattung verifiziert werden kann.

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