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Geschichte und Gegenwart

Über 400 Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem 1598 der Archivbediente Erasmus Langenhain die Anweisung des Kurfürsten von Brandenburg erhielt, eine "Registratura archivorum" anzulegen und damit endlich Ordnung in die landesherrlichen Urkunden, Amtsbücher und Akten zu bringen. Das GStA PK führt darauf seinen fachlichen Ursprung zurück. Vor etwa 20 Jahren gelangte das Staatliche Archivlager Göttingen ins Haus, das dem Berliner Zentralarchiv die reichen Bestände des ehemaligen Staatsarchivs Königsberg zuführte und damit seine Sprengelkompetenz auch nach 1945 dezidiert um die historische Komponente ehemals preußischer Ostprovinzen erweiterte. Der März 1999 brachte schließlich die 75jährige Wiederkehr des Einzugs in das neue repräsentative Archivgebäude in Dahlem, das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit umso größerem Stolz als angestammter Dienstsitz "ihres" Archivs betrachtet wird, als es zu den ebenso ehrwürdigen wie besonders harmonischen Zweckbauten seiner Art in Deutschland gehört. Kontinuität und Wandel der Institution, die in diesen Daten deutlich werden, regen zum Rückblick an, zur Umschau und Perspektive.

Die Anfänge des Archivs sind freilich noch früher, in der Kanzlei der askanischen Markgrafen zu suchen. Sie reichen damit ins 13. Jahrhundert zurück (erste urkundliche Erwähnung: Stendal, 1282). Mit dem Ausbau des Schlosses auf der Spree-Insel Cölln und der Entwicklung Berlins zur Residenz bekam das Archiv dann dort - im "Gewelbe aufm grünen Hut" - einen ständigen Aufbewahrungsort und durch Archivarius Christoph Schönbeck Mitte des 17. Jahrhunderts eine pertinenzorientierte Ordnung seiner Reposituren, die lange gültig blieb. Den ehrenden Titel "Geheimes Staatsarchiv" erhielt es 1803, und damit seine Stellung als preußisches Zentralarchiv firmiert. Einen Bestandsverlust bedeutete die Ausgliederung der Königlichen Haus- und Hofarchivalien 1848/51; einen großen Gewinn dagegen die Vereinigung mit dem Geheimen Ministerialarchiv im Hohen Haus in der Klosterstraße 1874. Sieben Jahre später sorgte die Einführung des Provenienzprinzips dafür, dass die Bestandsordnung abteilungsweise auf eine moderne archivische Basis gestellt wurde. Unter anderem traten dabei auch die Konturen der brandenburgischen Provinzialüberlieferungen klar hervor, die aufgrund ihrer oft substantiellen Verflechtung mit der aus ihnen entwickelten brandenburg-preußischen Zentralüberlieferungen mit dieser eine provenienzgerechte, organisch gewachsene Archiveinheit bilden sollte. Das Geheime Staatsarchiv erwies sich so vor 1914 als Hauptarchiv des Preußischen Staates, das seine Zuständigkeit für dessen Zentralinstanzen infolge historischer Entwicklungen auch mit der für bestimmte Provinzialüberlieferungen verband.

Kurz nach dem I. Weltkrieg bezog das Preußische Geheime Staatsarchiv 1924 sein heutiges Dienstgebäude, den von Eduard Fürstenau errichteten repräsentativen Neubau in Berlin-Dahlem. Während des II. Weltkriegs war 1943/ 44 der größte Teil seiner Bestände in Bergwerke bei Staßfurt und Schönebeck ausgelagert worden, von wo sie nach Kriegsende vergleichsweise unversehrt nach Merseburg gelangten. Nach Kriegsende wurde die Dahlemer Dienststelle schnell wieder für die Rettung von Akten sowohl staatlicher Behörden als auch nichtstaatlicher Einrichtungen aktiv und 1946 zum Hauptarchiv für Behördenakten ernannt (ab 1950: Berliner Hauptarchiv, in sukzessiver Abgrenzung zum Landesarchiv Berlin). Seit 1963 gehört das Dahlemer Haus wieder unter dem Namen Geheimes Staatsarchiv zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Archivsigle seitdem: GStA PK). Alsbald erfolgte die Abgabe der nach 1945 eingesammelten Reichsprovenienzen an das Bundesarchiv. Andererseits erhielt das GStA PK die Überlieferung des preußischen Justizministeriums. Des weiteren wurden ihm 1978/79 die (zuvor im Göttinger Archivlager verwahrten) Bestände des ehemaligen Staatsarchivs Königsberg anvertraut und mit der Verantwortung für dieses einzigartige kulturelle Erbe seine ihm mittlerweile erwachsene Zuständigkeit für Überlieferungen aus dem Bereich der ehemals preußischen Ostprovinzen sanktioniert. Unterdessen wurden die in Merseburg gelagerten Archivalien zunächst vom Deutschen Zentralarchiv Historische Abteilung II (seit 1976: Zentrales Staatsarchiv, Dienststelle Merseburg) betreut. Nach der deutschen Wiedervereinigung gelangten diese Bestände 1993/94 nach Berlin zurück, wo sie nun wieder die Basis der Überlieferung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz bilden. Heute ist das GStA PK aufgrund seiner historischen Entwicklung und in einer seit der Beseitigung des preußischen Staates 1947 gewandelten Archivlandschaft, in die z. B. auch das 1949 gegründete Brandenburgische Landeshauptarchiv Potsdam einzubeziehen ist, zunächst für die Überlieferung der zentralen Instanzen des ehemaligen Brandenburg-Preußen zuständig, darüber hinaus auch für bestimmte Provinzialüberlieferungen und nichtstaatliches Schriftgut. Es verwahrt auf differenzierter Rechtsgrundlage gegenwärtig ca. 35.000 laufende Meter Archivalien sowie eine Dienstbibliothek mit etwa 185.000 Bänden und 200 laufenden Zeitschriften. Seine Tektonik umfasst: Bestände der zentralen Verwaltungs- und Justizbehörden Brandenburg-Preußens, der preußischen Parlamente und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; das Brandenburg-Preußische Hausarchiv sowie das Heeresarchiv (bis 1866/67, soweit nicht vernichtet); bestimmte Territorialüberlieferungen und Provinzialbehörden (v. a. der ehemaligen preußischen Ostprovinzen); nichtstaatliche Provenienzen (v. a. brandenburg-preußisch akzentuierte Nachlässe und Familienarchive; weiterhin Schriftgut von Freimaurerlogen und vergleichbaren Organisationen) sowie archivische Sammlungen (mit besonders reichhaltiger Kartenüberlieferung).

Der Bestands-Fülle des GStA PK entspricht die Intensität seiner Benutzung, die (von der schriftlichen Inanspruchnahme einmal abgesehen) derzeit um die 10.000 Benutzertage pro Jahr schwankt (aktuelle Statistik [PDF, 190 KB]). Dies stellt an das Archivpersonal hohe Anforderungen, sowohl mit Blick auf die notwendigen Erschließungsarbeiten an den fortschreitend zu verzahnenden "Merseburger" und "Dahlemer" Bestände-Teilen, als auch aufgrund der derzeitigen Magazinsituation, die den Hauptteil der Archivalien, ca. 28.000 lfm, in einem provisorisch eingerichteten Gebäude im Berliner Westhafen vorhält. Der Schwerpunkt der archivischen Routine verlagert sich derzeit von der Ordnung zur Verzeichnung, insbesondere seitdem das Archiv 2000 eine Tektonik vorlegte, die alle seine Bestände, Nachlässe und Sammlungen in einen chronologisch-systematischen Zusammenhang brachte. Mit dieser umfassenden Tektonik wurde auch die Basis für eine moderne Beständeübersicht gewonnen, deren einzelne Bestandteile in Zukunft in beliebiger Reihenfolge erarbeitet werden können. Ein solcher Baustein wird demnächst in Form einer analytischen Beständebeschreibung der II. Hauptabteilung des GStA PK vorgelegt werden, die das reichhaltige und für die Geschichte Preußens im 18. Jahrhundert besonders ergiebige Aktenmaterial des Generaldirektoriums enthält. Flankierend zu diesen Erschließungsarbeiten hat das GStA PK teils in eigener Initiative, teils in Zusammenarbeit mit anderen Archiven sachthematische Inventarisierungsarbeiten begonnen, die seine Überlieferungen mit denen in den anderen Häusern benutzerorientiert verknüpfen soll (z. B. zur Geschichte der Allgemeinen Bau- oder der Bergbau-Verwaltung). Darüber hinaus wird die intensive Erschließung der Königsberger Schriftgutschätze, etwa der Urkunden oder des Herzoglichen Briefarchivs, durch Regestenwerke stetig weiter vorangetrieben, die in der renommierten archiveigenen Veröffentlichungsreihe erscheinen. In ihrem Publikationsrahmen werden seit 1978 auch die Inventare der Kartenabteilung herausgegeben, mit denen das GStA PK sowohl mit Blick auf den methodischen Anspruch wie auf den Umfang an erster Stelle unter den deutschen Archiven steht. Die Bestandserhaltung setzt mittlerweile breitgefächert ihre Schwerpunkte auf die Massenentsäuerung, die Schimmelbekämpfung und die Archivalienkartonierung (anstelle der gar nicht so guten, alten preußischen "Aktenschürze"). Darüber hinaus konzentriert sie sich auf Wege, die Überlieferung aus dem Westhafen heraus nach Dahlem zu holen - beispielsweise auch durch einen Verbund von analogen und digitalen Reproduktionsformen, die in weiterer Konsequenz vielleicht einmal weit über Dahlem hinaus von einer internationalen, historisch interessierten Öffentlichkeit benutzt werden könnten. Insgesamt hält das GStA PK heute für seine Benutzer provenienzgerecht gebildete Bestände zur Auswertung bereit, die ihm aus der schriftlich fixierten Tätigkeit von (meist brandenburg-preußischen) staatlichen Institutionen, Körperschaften oder Personen mit Blick auf die diesen vorgegebene rechtliche oder historische Sachverhaltssicherung nachgerade zwangsläufig erwachsen sind. Insofern repräsentiert die Dienststelle nach 400 Jahren archivischer Tätigkeit den Brandenburg-Preußischen Staat wie auch eine seiner wesentlichen Wurzeln, den Deutsch-Ordenstaat im Preußenland, als Institution innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Archiv dokumentiert damit per se und mit seinen Überlieferungsschätzen heute einen historischen Sachverhalt, nämlich nahezu neun Jahrhunderte brandenburg-preußischer Geschichte "zwischen Königsberg und Kleve".

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