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Geschäftsgang im Generaldirektorium, 1755

Im Folgenden wird anhand dreier Schreiben (zwei auf der Entstehungsstufe eines Konzepts, eines auf der einer nicht vollzogenen Ausfertigung) ein Geschäftsgang nachvollzogen, wie er in der Korrespondenz zwischen Königlichem Kabinett, Generaldirektorium und den Kriegs- und Domänenkammern sowie auf der Basis von Kritik, Korrektur und Kontrolle typisch für die effiziente preußische Verwaltungsarbeit im 18. Jahrhundert war. Die Stücke sind editionsmäßig aufbereitet: mit Kopfregest, Formalbeschreibung und Transskription bzw. Vollregest. Bei der Transskription wurde die Groß- und Kleinschreibung sowie die Interpunktion dem modernen Sprachgebrauch angepasst, und eindeutig aufzulösende Abkürzungen ohne eckige Klammern aufgelöst.

1. Schreiben: 1755-Juni-11, Berlin

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1. 1755-Juni-11, Berlin
König Friedrich II. in Preußen, an Kriegs- und Domänenkammern zu Berlin und zu Magdeburg: bessere Kultivierung der Maulbeerbaum-Plantagen

GStA PK, II. HA Generaldirektorium, Abt. 14 Kurmark, Materien, Tit. CCXLIII Nr. 1 Bd. 1. Landesherrliches Zirkularreskript. Genehmigtes Konzept. 1 Bogen Folio, S.1 beschriftet. Vermerke: Journalnummer 123; Konzipientenempfang 11. 6. 1755; Revisionvorlage 12. 6. 1755; Federführende Revision Rat Stieber, 12. 6. 1755; Co-Revision Rat Geelhaar, 13. 6. 1755, Holtzendorff, 13. 6. 1755, Heidenreich, 14. 6. 1755; Super-Revision Minister v. Boden, 15. 6. 1755; Ausfertigungen für die Kriegs- und Domänenkammern zu Berlin und zu Magdeburg durch Kanzlist Mumme, 18. 6. 1755. - Vorlage im Folgenden ganz transskribiert.

"Friedrich König in Preußen etcetera. Unsern etcetera. Demnach Uns glaubwürdig angezeiget worden, daß die mehreste Maulbeerbaum-Plantagen gar nicht recht, sondern gleich im Anfange dadurch zum Verderb tractiret werden, daß die Leute die Wurtzeln derer Bäume nicht so, wie sichs gehöret, beschneiden, auch solche indistincte in allerhand Land setzen, ohne zu untersuchen und zu beurtheilen, ob selbige darin fortkommen können oder nicht, als befehlen Wir Euch hierdurch in Gnaden, dieses alles gehörig zu examiniren, und die Verfügung zu machen, auch selbst dahin zu sehen, daß, wenn hierunter bishero auf eine oder die andere Arth gefehlet worden, solches vors Künfftige redressiret werden müße. Seynd etcetera. Berlin, den 11. Junii 1755."

2. Schreiben: 1755-Juni-11, Berlin

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2. 1755-Juni-11, Berlin
König Friedrich II. in Preußen, an Kriegs- und Domänenkammer zu Berlin: bessere Kultivierung der Maulbeerbaum-Plantagen

GStA PK, I. HA Rep. 94 Kleine Erwerbungen, IV L a Nr. 19 ("Seiner Majestät des Königs Friedrichs II. autographische Marginalresolutionen, auch allerlei Curiosa"), vol. 2. Landesherrliches [Zirkular-]Reskript. Nicht vollzogene Ausfertigung. 1 Bogen Folio, S. 1 beschriftet. Gegenzeichnung Minister v. Viereck und v. Boden; Randverfügung König Friedrichs II.: "Der Concipient ist ein Esel, und die Ministres haben das Rescript nicht durchgelesen. Es hält nichts in sich. So was Dumes habe ich meine Tage nicht gesehen." - Vorlage im Folgenden vollregestiert.

"Glaubwürdigen Berichten zufolge werden die meisten Maulbeerbaum-Plantagen nicht richtig kultiviert, sondern von Anfang dadurch verdorben, dass die Baumwurzeln nicht ordentlich beschnitten werden, und dass sie wahllos ohne Rücksicht auf die Bodenbeschaffenheit angesetzt werden.
Die Kammer soll daher die Kultivierung der Maulbeerbaum-Plantagen durch schriftliche Anweisung genau überprüfen, sowie darauf achten, dass die etwa vorgekommenen Fehler behoben werden."

3. Schreiben: 1755-Juni-26, Berlin

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3. 1755-Juni-26, Berlin
König Friedrich II. in Preußen, an Kriegs- und Domänenkammer zu Königsberg, Gumbinnen, Stettin und Küstrin: Anleitung und Kontrolle einer besseren Kultivierung der Maulbeerbaum-Plantagen

GStA PK, II. HA Generaldirektorium, Abt. 28 Seidenbau, Tit. XXIX Nr. 1 Bd. 2. Zirkular-Auftragsreskript. Genehmigtes Konzept. 1 Bogen Folio, S. 1 beschriftet. Vermerke: Journalnummer fehlt; Konzipierung durch Sekretär Braunsberg; Revisionsvorlage bei Rat Arendt, 30. 6. 1755; Revision Rat Arendt, 1. 7. 1755, Lehmann, 1. 7. 1755, Schmaltz, 1. 7. 1755; Superrevision Minister v. Katte; Ausfertigung (an die KDK zu Königsberg, Gumbinnen, Stettin, Küstrin) durch Kanzlist Albrecht Friedrich Jaenichen, 3. 7. 1755; Abgang 4. bzw. 5. 7. 1755; zdA-Übernahme durch Registrator Viel, 22. 7. 1755. - Vorlage im Folgenden ganz transskribiert; dabei die im Unterschied zu Nr. 1 neu im Konzept aufgenommenen Textteile fett gedruckt.

"Friedrich König in Preußen etcetera. Unsern etcetera. Demnach Uns glaubwürdig hinterbracht worden, daß die mehreste Maulbeerbaum-Plantagen gar nicht recht, sondern gleich von Anfang dadurch zum Verderb tractiret werden, daß die Leute die Wurtzeln der Bäume nicht so, wie es sich gehöret, beschneiden, auch solche indistincte in allerhand Land sezen, ohne zu untersuchen und zu beurtheilen, ob selbige darin fortgehen können oder nicht, so befehlen Wir Euch hiemit dieses alles gehörig zu examiniren, und die Verfügung zu machen, auch selbst dahin zu sehen, daß, wenn hierunter bisher auf eine oder die andere Arth gefehlet worden, solches vors Künfftige redressiret werden müße, zu welchem Ende ihr die Einwohner der dortigen Provinz, welche Maulbeerbaum-Plantagen anlegen, umbständlich und ganz deutlich zu instruieren habt, welchergestalt bey Verpflanzung der Maulbeer-Bäume recht zu verfahren, und was dabey zu beobachten sey, gestalt Wir dann auch fordersamst euren Bericht erwarten, was dieserhalb von euch verfüget worden, ingleichen, was vor Anleitungen zu Verpflanzung der Maulbeer-Bäume bisher gegeben gewesen. Seynd etcetera. Geben Berlin, den 26. Junii 1755."

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